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Politik der kleinen Schritte

|   ILE Klosterwinkel

Zweiter Erfahrungsaustausch der ILE-Kommunen zum Umgang mit Obdachlosigkeit

Auf Einladung der ILE „Klosterwinkel“, trafen sich am letzten Mittwoch kommunale Verwaltungsmitarbeiter aus den ILE-Mitgliedsgemeinden mit Vertretern der Caritas sowie Gerichtsvollziehern zu einem fachlichen Austausch im Rathaus der Marktgemeinde Fürstenzell. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit (drohender) Obdachlosigkeit und die Frage, wie Kommunen gemeinsam Lösungen finden können.
Bürgermeisterin Rita Silbereisen begrüßte die Teilnehmenden und betonte die Bedeutung des Treffens: „Es ist wichtig, dieses schwierige und sehr sensible Thema offen anzugehen und über Gemeindegrenzen hinweg nach umsetzbaren Lösungen zu suchen“.  Die Bedeutung dieses Themas zeigte sich auch darin, dass die beiden Mitgliedsgemeinden Aldersbach und Roßbach durch ihre Bürgermeister vertreten waren sowie Fürstenzells Nachbargemeinde Neuhaus am Inn im Vorfeld Teilnahme-Interesse an diesem Treffen signalisierte. ILE-Manager Stephan Romer verwies zu Beginn darauf, dass landesweit in keiner weiteren ILE zu diesem Thema ein entsprechender Austausch stattfindet: „Wir sind nach wie vor die Einzigen“. 
Wie unterschiedlich die Thematik sein kann, zeigte sich in den Kurzberichten der einzelnen Kommunen zur aktuellen Situation vor Ort bzw. deren Veränderungen seit dem letzten Treffen vor einem Jahr. Insgesamt ergab sich ein äußerst unterschiedliches Spektrum der Betroffenen. Aufgrund der Schilderungen wurde ersichtlich, dass sämtliche Altersgruppen wie auch bei den individuellen Fällen unterschiedlichste soziale Verhältnissen von Einzelpersonen, Gruppen in unterschiedlicher Personenzahl bis zu kompletten Familien betroffen sein können. Als großes Hindernis erweist sich für die Verantwortlichen in der kommunalen Verwaltung die teilweise sehr kurzfristige bzw. vollständig ausbleibende Kontaktaufnahme seitens der Betroffenen, was die konkrete Hilfe deutlich erschwert,
Im Anschluss ging die Fachreferentin für Armutsfragen im Caritasverband der Diözese Passau, Sabine Weiss, auf aktuelle Entwicklungen ein. Entsprechend vorliegender Erhebungen sind bundesweit sind derzeit ca. 1 Million, d. h. 10 % mehr wie im Vorjahr, von Wohnungslosigkeit betroffen. Zunehmend betrifft dies auch die untere Mittelschicht, also Personen mit festem Arbeitsplatz und Einkommen. Besonders erschreckend ist, dass gerade die Hälfte offiziell registriert ist, also die sog. „verdeckte“ Wohnungslosigkeit“ etwas 50% aller Fälle ausmacht. Aufgrund Ihrer Erfahrung unterstrich sie, dass es für diesen Problembereich keine Pauschallösung gibt: „Aber der Ansatz der ILE, für die kommunal Verantwortlichen untereinander sowie mit weiteren Institutionen ein Informationsnetzwerk aufzubauen, ist vorbildhaft und sollte Schule machen“, so Frau Weiß.
In der sich im Anschluss entwickelnden Diskussion verwiesen die beiden anwesenden Gerichtsvollzieher auf das teilweise fehlende Bewusstsein einer Eigenverantwortung der von Obdachlosigkeit betroffenen Personen. „Trotz der frühzeitig eingehenden Information bei den Betroffenen erfolgt von deren Seite in vielen Fällen keinerlei Reaktionen. Gerade in diesem, einige Wochen dauernden Zeitraum gäbe es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die drohende Wohnungslosigkeit abzuwenden oder einen für alle Seiten akzeptablen Lösungsweg einzuschlagen“, so die beiden Gerichtsvollzieher Werner Hoffmann und Daniel Kiermeier. Exemplarisch wurde die „Fachstelle zur Prävention von Wohnungsnotfällen“ des Caritasverbandes genannt. vor. Deren Unterstützung reiche von präventiver Beratung über individuelle Begleitung bis hin zur Vermittlung von Notschlafplätzen in besonders akuten Fällen. 
Insgesamt wurde den Teilnehmern deutlich, dass, trotz der großen Heterogenität der Einzelfälle, ein zentraler Baustein für zufriedenstellende Lösungen die Notwendigkeit des frühzeitigen Austausches aller Beteiligten – Gerichtsvollzieher, Kommunen und Fachstellen – ein zentrales Erfolgselement darstellt. Voraussetzung dafür sind klare Abläufe, gegenseitiges Verständnis und direkte Kommunikation. 
Das Treffen endete mit sehr positiven Resonanz und dem Wunsch seitens der Ordnungsämter, diesen Austausch mit weiteren Themen aus ihrem Arbeitsbereich fortzusetzen. Das Fazit eines Teilnehmers zum Schluss: „Es gibt keine Patenrezepte für diese komplexen Fälle. Aber ein kontinuierlicher Austausch und eine Politik der kleinen Schritte können zu sichtbaren Verbesserungen führen.“

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